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Was ist hinduistisches Tantra ?

Der traditionelle indisch-hinduistische Tantrismus geht auf die Tantras oder Agamas zurück. Das sind nach-verdische Schriften, die bis zum 6 Jahrhundert nach Christus zurückgehen. Oftmals ist hinduistisches Tantra mit dem Shaktismus, der Verehrung des Weiblichen gleichzusetzen. In allen Formen des Tantrismus wird dem weiblichen Prinzip im besonderen gehuldigt, da das Wunder des Lebens in der Frau stattfindet. Sexuell gesehen sind es zu dem die Männer, welches durch den Orgasmus ihre sexuelle Grenze schneller finden, als die Frauen. Die männlichen und weiblichen Pole im Kosmos werden nach den Hindugottheiten Shiva (männliche) und Shakti (weibliche) benannt, die man in sich trägt. Die ursprünglichen hinduistische Tantra-Texte sind sehr oft als Frage und Antwort zwischen Shiva und Shakti oder einer ihrer Inkarnationen geschrieben. Bekannt ist das Vigyan Bhairva Tantra insbesondere durch die Übersetzung und Kommentierung durch Osho. Im u.g. Thema sind einige schöne Übungen enthalten, die zu mehr Bewusstsein im Hier und Jetzt führen. Und damit auch zu einer größeren Erfahrungswelt ...

Es existieren in Indien einige tantrischer Tempel oder Tempel, die dem Shaktismus zugerechnet werden. Darunter fallen bspw. Khajuraho in Rajastan mit den bekannten erotischen Abbildungen oder der Shakti-Tempel Kamakhaya in Assam. Im sogenannten linkshändischen Pfad (linke = unreine Hand) werden die fünf vedischen Reinigungsartikel bewusst umgekehrt, in der Verehrung der fünf Ms:

  • Matsya [oder Mna] (Fisch)
  • Mamsa (Fleisch)
  • Madya (Wein)
  • Mudra (getrocknete Körner)
  • Maithuna (ritualisierter Geschlechtsakt)

Die Anhänger des rechtshändischen Pfades ersetzen die fünf Ms durch andere Substanzen oder Üben sie nur symbolisch bzw. gar nicht aus. Manchmal wird auch durch Verurteilung dieser Praktiken nicht Über Chakren unterhalb des Nabels meditiert.Insbesonderen für die hinduistischen Tantriker sind die Bedeutung von Mantras (heilige Wortklänge), Bijas (einsilbige Wortklänge), Yantras (Diagramme), Mudras (Yogische Stellungen, Gesten), Nyasa (Energetisierung verschiedener Körperteile), Bhutashuddhi (Reinigung), Kundalini-Yoga, Kriya (Bewegungs- und Atemübungen), Carya (religiöse und soziale Vorschriften), Maya-Yoga (Magie). Tantra ist immer praxisorientiert, weswegen tantrische Praktiken in fast allen hinduistischen Richtungen eingeflossen sind. Allen Traditionen ist ausserdem das Gebot der Geheimhaltung der Lehre und die Bedeutung des Guru als Vermittler der tantrischen Lehren gemein. Traditionell kann Tantra nicht in einem Kurs oder durch Bücher erlernt werden