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Was ist Tantra ?

Gute Frage und gar nicht so einfach in wenigen Zeilen zu beantworten.

Tantra bzw. Tantrismus is keineswegs eine oder nur eine fernöstliche Sexualpraxis. Das würde Tantra völlig sinn-entleeren und seiner religiös-philosophischen Inhalte und Traditionsdimensionen berauben. Das Wort selbst kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie “Gewebe, Zusammenhang”. Der Wortstamm “tan” bedeutet “Ausdehnen”. Damit ist eine Grundeinstellung im Tantra gemeint, daß alle Dinge in Verbindung miteinander sind. Tantra selbst hat seine Wurzeln im 2ten Jahrhundert nach Christus.

Ein Tantra selbst ist eine spirituelle Schrift im Hinduismus oder Buddhismus. Daher gibt es sehr viele Tantren. Im Allgemeinen versteht man aber unter Tantra nicht die Schrift sondern den Tantrismus als solches. Tantrismus ist in seinem Kern ein ganzheitliches Konzept in dem der Mensch nach unten (zur Erde) wie nach oben (zum Kosmos) eingebunden ist. Die kosmische Allverbundenheit sozusagen. Der Mensch in all seinen Schattierungen wird hier achtsam angenommen.

Sexualität spielt in Tantrismus eine große Rolle. Als Sexualität wird hier die Energie zwischen den weiblichen und männlichen Polen im Kosmos verstanden. Diese kann und sollte zur Weiterentwicklung nutzbar gemacht werden. Das Ende allen Leidens ist die Vereinigung dieser Pole. Daher ist auch die körperliche Vereinigung ein Symbol für den Tantrismus. Jeder der schon mal dieses tiefe innige Nähe-Gefühl von gutem Sex erlebt hat ... dieses Gefühl als wären 2 Teile einer gebrochenen Bronzevase zusammengefügt ... diese Gefühl welches unabhängig von Orgasmus und kurzfristiger Geilheit ist ... dieses Gefühl welches einem auch am Tag danach noch in Watte packt und die Welt als eines erleben lässt ...weiß was hier gemeint ist. So muß sich das Nirvana anfühlen. Und genau da setzt Tantra auf. Die sexuelle Energie hat viele andere Namen und Gesichter , ob nun Libido, Kundalini, Erotik, Chi oder sonstwie genannt. Im Tantrismus wird sie als starke Kraft anerkannt, die uns antreibt, Dinge zu tun, die wir sonst vielleicht nicht tun würden. Wer hat nicht schon unsinniges aus Verliebtheit getan ? Hier wird anerkannt, dass wir alle sexuelle Wesen mit sexuellen Wünschen und Sehnsüchten sind.

Wie explizit die Sexualität im Tantra Raum bekommt ist ganz nach tantrischer Ausrichtung unterschiedlich. Nacktheit ist ein natürlicher Zustand. Sexuelles Verlangen etwas natürliches. Ein wichtiger Aspekt dieser Sexualität ist die Liebe. Tantrische Sexualität versucht immer Liebe (Herzchakra) und Sex (Nabelchakra) zu verbinden. "Liebe Deine Nächsten wie Dich selbst" ist durchaus tantrisch aber nicht unbedingt "Begehre nicht Deines Nachbarn Weib". Letzteres ist aus tantrischer Sicht normal, wenn die Nachbarin entsprechende Energien in Dir zum klingen bringen.

Tantra bedeutet nicht dem ganzen nachzugeben wie es Dir passt. Deine Handlungen sollten durchaus auch die Achtsamkeit und Mitgefühl für Deine Umgebung mit einschließen. Tantra hat eine uralte Tradition im indischen und tibetischen. Noch heute existieren in Tibet tantrische Schulen. Insbesondere im buddhistischen Tantra. Wie der Buddhismus auch ist Tantra - welches im übrigen nicht rein religiös ist, aber durchaus sein kann - ein Weg der Entwicklung. Der Entwicklung meiner selbst zu einem besseren Wesen. Dazu gehört die völlige Annahme meiner selbst - des Körpers wie des Geistes.

Tantra sieht kein schwarz und kein weiss. Im Tantra sieht man alle Farben ... von schwarz bis weiß. Tantra ist dennoch kein Weg der Beliebigkeit sondern der Toleranz und des Verständnisses. Auch hier bedeutet die Vereinigung aller Gegensätze das Ende des Leides. Daher sind alle Aspekte in Ihrem Anspruch zunächst einmal anzuerkennen. Auch die berühmten Schatten und Abgründe des Charakters. Es gibt im Tantra kein Gut und kein Böse. Letztlich eine Frage des Standpunktes. Was gut ist, bestimmt man letztlich für sich selbst und durch Selbsterkenntnis. Daher gibt es im Tantra keine Dogmen, keine Tabus, keine Rangordnung und keine Instanzen und Institutionen. Die Rolle des "Gurus" als Partner und Spiegel zur Fortentwicklung ist ganz in der indischen und tibetischen Tradition angelegt. Letztlich arbeitet das Tantra in seinen vielen Facetten mit Methoden sexuelle Energien (inbesondere im Zusammenhang mit der Liebe) gezielt zu erzeugen und dann für die Weiterentwicklung seiner selbst zu nutzen, dazu dienen unter anderen Meditation (aktive wie passive), Yoga-Übungen, Chakren-Arbeit, Mantren, Yantra sowie und im besonderen Rituale in der Gruppe.

Im Groben unterscheidet man zwischen den Formen

 

Was ist mit diesen unterschiedlichen Farben im Tantra ?

Was ist mit diesen verschiedenen Farben ? rotes Tantra ? Weißes Tantra ? linkshändischer Pfad ? rechtshändischer Pfad ? Was ist das alles ?

Grundsätzlich gibt es im Tantra 2 verschiedene Geisteshaltungen der Nutzung der sexuellen Energien gegenüber:

  • Man versucht sexuelle Energien direkt durch erotische Rituale und Übungen bis hin zur sexuellen Vereinigung miteinzubeziehen. Das nennt sich dann rotes Tantra oder auch linkshändischer Pfad des Tantra. Höhepunkt dieser Rituale sind sogenannte Chakrapuja bzw. Maithuna Rituale. Diese Rituale sind rituelle Vereinigung innerhalb einer Gruppe von Tantrikas. Diese Vereinigungen sind allerdings nicht mit "Haushaltssex" zu vergeichen und unterliegen einem strengen Ritualverlauf und einer besonderen Ritualvorbereitung, die bis zu mehreren Wochen mit Fasten und Meditation einhergehen kann.
  • Oder man erweckt die sexuellen Energien mittels meditativer oder yogischer Übungen im sogenanten weißen Tantra bzw. rechtshändischer Pfad. Das Kundalini-Yoga kann bspw. dem weißen Tantra zugerechnet werden. Vereinigungen oder andere sexuelle Handlungen sind hier nicht vorgesehen. Und wenn dann nur mit einem besonderen Partner unter fest vorgegebenen Bedingungen. Im Kundalini-Yoga werden sexuelle Energien (die Kundalinie) durch aktive Meditationen und inbesondere Feueratmen zu erwecken versucht.
  • Last not least gibt es noch das sogenannte schwarze Tantra. Also ein Tantra welches tantrische Methoden einsetzt, um andere zu manipulieren und auszunützen. Liebe vorzugauckeln und seine Vorteile durchzusetzen.

Für wen ist Tantra geeignet ?

Tantra ist für alle Menschen geeignet, die einen Zugang in ihre eigene Sexualität gefunden haben. Menschen mit Gefallen am Genuss, die aber auch intensive spirituelle und zwischenmenschliche Erfahrungen machen wollen. Eine Sexualität jenseits des Sexus der heutigen Zeit, jenseits der Triebhaftigkeit und der Hektik erfahren wollen. Menschen, die ihre schamhafte Grenzen behutsam versetzen wollen. Tantra verbindet alle Aspekte des Lebens und steht für Lebensfreude und Bewusstsein. Tantra ist nicht geeignet für Menschen, die pathologische Probleme oder Schwierigkeiten mit ihrer Sexualität haben und sich im Tantra Heilung versprechen. Tantra an sich ist nicht therapeutisch. Jedoch können tantrische Methoden dazu führen, sich selbst und seine Sexualität besser zu erfahren.

Was ist Tantra bei herzrauschen ?

Margot Anand sagte einmal "Das Haus des Tantra ist groß und hat viele Zimmer". Wie wahr ! Bei herzrauschen verfolgen wir einen integralen Ansatz ohne dies so zu nennen. Wir kombinieren buddhistische Meditationen, Aktiv-Meditationen, Tanz, Berührung mit alten hinduistischen Tantraformen.

Bei herzrauschen lehren wir vorwiegend ein spirituelles rotes Tantra. Rotes Tantra ist ein Tantra welches explizite Sexualität beinhaltet. Nach indischen-hinduistischen Vorbildern (wie es nach Thirleby, Mookerjee, Feuerstein überliefert ist) ist für uns die Variationen des Maithuna-Rituals der Kernpunkt der tantrischen Praxis. Das Erlernen komplexer Ritualeabläufe mit dazugehörenden Mantras, Mudras und Yantras ist Vorraussetzung für das Aufblühen der tantrischen Spiritualität. Genauso interessiert uns in letzter Zeit immer mehr die Kombination mit den Meditations-Techniken des buddhistischen Tantras hinsichtlich Herzöffnung und Konfrontation mit Emotionen und Geistesgiften.

Jedoch dienen viele Seminare des Grundprogrammes zur Entwicklung der Herzöffnung und der Entfaltung der eigenen Sexualität. Denn spirituelle Sexualität kann sich nur Entfalten und Befreien, wenn genug Alltags-Sexualität vorhanden ist.

Wo kann man Tantra noch erlernen ?

Natürlich bei herzrauschen ! Aber mal abgesehen hiervon gibt es eine Reihe von Anlaufstellen für den tantrisch Interessierten. Je nach Neigung und Interesse im großen Haus des Tantra gibt es soviele Richtungen wie wohl Lehrer. Im konkrenten Fall hängt es natürlich ganz von der tantrischen Richtung ab.

Grundsätzlich gilt für Tantra dasselbe wie für das Kochen, Fahrradfahren oder Massieren: Aus Büchern kann man es nur schwer lernen. Man benötigt praktische Übung und Anleitung. Tantra ist keine Wellness-Darbietung und keine neue oder alte sexuelle Spielart. Man kann Tantra nicht einfach so mal ausprobieren. Es erforder Übung, Übung und Übung. Wie ein Musikinstrument. Sowie den Willen sich entwickeln und die sexuellen Energien nutzen zu wollen.

Tantra ist ein Weg. Dazu gehört eigentlich auch Anleitung durch einen Fortgeschrittenen. Das geht praktischerweise eben am besten in einer Gruppe. Für buddhistische Tantra gibt es auch im Westen diverse buddhistische Klöster oder Glaubensgemeinschaften, die sich hiermit beschäftigen. Eine Recherche im Internet (bspw. nach ratna.info im Internet googeln) nach Begriffen aus dem tibetischen Tantrismus (Kalachakra usw.) dürfte hier erste Ergebnisse bringen.

Hinduistisches Tantra ist in Europa weit meines Wissen wenig vertreten. Das ist selbst in Indien (soweit das Internet hergibt) schwierig. Vielleicht im Umfeld eines Shakti-Tempels ? Ja auch der Subkontinent ist kein Schwerpunkt des Tantras mehr. Wer gerade meint, dass die Tantra-Massage im besonderen in Indien zu erlernen sein, der ist auf dem Holzweg. Denn zum einem wurde diese Art der Massage im Westen ersonnen (mal abgesehen von den viel älteren östlichen Massageformen) und es wird im prüden Indien bestimmt kein Lehrer eine Yoni oder Lingam-Massage anleiten. In einem Land, in dem Nacktheit und Sexualität eher spröde betrachtet wird, ist mit einer Genitalmassage in dieser Form wohl kaum zurechnen.

Spirituell gesehen ist - so glaube ich - die Mehrzahl der (buddhistischen) Tantrika und Buthan in Tibet zu finden.

Am gebräuchlichsten ist der Besuchs eine Seminares. Hierzu findet sich auf den Webseiten tantra-massage oder tantra-info (.ch) der Verweis auf einige neotantrische Schulen. Auch kann der Besuch von Seminaren in eines der Oshozentren zu tantrischem Wissen führen. Allerdings vermitteln auch die wenigsten neotantrischen Schulen wirklich konkretes tantrisches Hintergrundwissen, sondern nutzen dieses eher indirekt in den Übungen. Wie ein solches Seminar abläuft habe ich unter Seminarablauf beschrieben. Wem das alles zu teuer ist oder zu aufwendig oder es für Geldmacherei hält, dem ist schwierig zu helfen. Denn freie Tantragruppen (also auf privater Basis) gibt es wenige (bspw. tamalu) und diese setzen tantrisches Wissen und Übungspraxis voraus.

Der Besuch einer Tantra-Massage in einem Studio kann leider nicht zum Erlangen und Üben von tantrischem Wissen bzw Praxis gezählt werden. Wenn ich beim Frisör bin, dann erlerne ich ja auch nichts über das Herstellen von Shampoos oder das Schleifen von Scheren. Im übrigen sei noch gesagt , dass von einem Besuch eines tantrischen Seminares abgeraten wird, wenn man an einer psychischen Krankheit leidet.

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